Diane Ackerman: Die Frau des Zoodirektors

Im Polen des Zweiten Weltkriegs riskierte man schon die Todesstrafe, wenn man einem durstigen Juden einen Becher Wasser reichte.

Umso beeindruckender war der Heldenmut dieses Ehepaares: Jan und Antonina Żabiński – ein Zoodirektor und seine Frau. Sie haben mehr als dreihundert todgeweihten Menschen – zumeist Juden – das Leben gerettet. Ihre menschliche Tat ist durch das Raster gefallen. Doch sie wurden dem Vergessen entrissen und Diane Ackerman erzählt uns ihre Geschichte.

In einer Art Vorwort benennt die Autorin, die 1948 in Waukegan, Illinois geboren wurde, all diejenigen, die ihr bei ihren Recherchen geholfen haben. Und welche Quellen sie genutzt hat. Ihr standen zum Beispiel das persönliche Tagebuch von Antonina Żabiński zur Verfügung und ihre autobiografischen Kinderbücher, zum Beispiel Das Leben im Zoo.

Mit einer kleinen jüdischen Geschichte, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde, endet dieses Vorwort und Die Frau des Zoodirektors beginnt.

Als Antonina acht Jahre jung war, wurden ihre Eltern als Mitglieder der Intelligenzija während der Februarrevolution von den Bolschewisten umgebracht. Sie besuchte in Taschkent, Usbekistan, die Schule, bekam Klavierunterricht, verließ mit 15 Jahren die Schule und zog mit der Großmutter nach Warschau. Hier bestand sie eine Prüfung als Archivarin und sie arbeitete dann im Archiv der Landwirtschaftlichen Hochschule von Warschau, wo sie den Zoologen Jan kennenlernte – elf Jahre älter als sie. Sie nutzten eine sich ihnen bietende Chance, eine neue Art Zoo aufzubauen und unter den Tieren zu leben. 1931 wurde geheiratet und sie zogen nach Praga.

Gleich hinter der Altstadt lag das große Judenviertel. Jahrhundertelang hatte Polen Juden aufgenommen, die aus anderen Ländern vertrieben worden waren.

1939 erkannten die Polen, dass die Zeichen auf Krieg standen. Doch Antonina setzte auf die starke Allianz mit den Franzosen und ihren Verbündeten Großbritannien. Doch am 1. September fielen die Bomben. Und da der Zoo am Fluss mit seinen belebten Brücken lag, die zu den bevorzugten Zielen der Deutschen gehörten, wurde er nicht verschont. Eine Bombe traf das Eisbärgehege, sodass die verwundeten Tiere frei herumliefen und erschossen wurden. Die Soldaten beschlossen, die gefährlichsten der Zootiere, z. B. Löwen und Tiger, ebenfalls zu erschießen.

Jan wurde eingezogen und alle anderen mussten den Zoo verlassen. Bei zwei alten Damen fanden Antonina und ihr Sohn Unterschlupf. Doch der Gedanke an die Tiere ließ sie nicht los. Und so machte sie sich auf den Weg.

Den Zoo hatte es getroffen und er lag in Schutt und Asche. Die Tiere waren tot bzw. schwer verletzt, teilweise vom Feuer eingeschlossen. Antonina und eine Handvoll Tierpfleger versuchten, all den Tieren zu helfen, wobei sie selbst aufpassen mussten, sich nicht in Gefahr zu begeben.

Eines Tages war Jan plötzlich wieder da; auf abenteuerliche Weise hat er den Weg zurück nach Warschau gefunden.

Nach einigen Tagen wagten sich die beiden zurück in den Zoo, wo sie einige weitere Tierpfleger trafen. Man fand in den unmöglichsten Verstecken noch verwundete Tiere. Das Fleisch der toten Tiere (Pferde, Hirschwild und Antilopen) verteilten sie an die hungrige Bevölkerung.

Nach der Kapitulation Warschaus hatte Antonina immer noch Hoffnung: „… vielleicht bedeutet es endlich wieder Frieden und die Chance für einen Wiederaufbau.“

Hans Frank, Hitlers persönlicher Rechtsanwalt, verwaltete das deutsche Gouvernement. Er war nicht nur Gründungsmitglied der Nationalsozialistischen Partei, er änderte auch die deutsche Gesetzgebung nach den Vorstellungen der Nazis, insbesondere „im Hinblick auf die Rassengesetze und den Widerstand“.

Frank sorgte für die Liquidierung der polnischen Bildungsschicht. Er sorgte dafür, dass „860.000 Polen entwurzelt und anderswo angesiedelt“ wurden. Dass sich 75.000 Deutsche deren Landbesitz aneignen konnten. Dass 1.300.000 Polen „als Zwangsarbeiter nach Deutschland transportiert und weitere 330.000 einfach erschossen“ wurden.

Doch der polnische Widerstand lebte und war äußerst aktiv. Er „hatte so viele Zellen, dass jeder sich beteiligen konnte, egal wie alt, gebildet oder nervenstark er war“.

Dass das Ehepaar Żabiński Widerstand leistete – da verrate ich nicht zu viel; geht das doch aus dem Klappentext hervor. Auf welche Weise dies geschieht, das lies selbst… Ich lege Dir das Buch über dieses mutige Ehepaar ans Herz.

 

Moshe Tirosh, geboren 1937, fand zu der Zeit selbst für kurze Zeit Unterschlupf in dem Zoo von Jan und Antonina Żabiński. Hier kannst Du seine Geschichte lesen.

 

Die Frau des Zoodirektors von Diane Ackerman, erschienen im Wilhelm Heyne Verlag München

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7 Kommentare zu „Diane Ackerman: Die Frau des Zoodirektors

  1. Liebe Anne-Marit,

    dieses Buch liegt schon auf meinem nächsten Lesestapel, da ich den Film, der jetzt in die Kinos kommt, auch sehen wollte. Vorher ist das Buch aber ein Muss!

    Wie bist du denn mit dem Schreibstil zurecht gekommen? Habe jetzt schon ein paar Meinungen gehört, die sich daran gestört haben.

    GlG vom monerl

    Gefällt 1 Person

    1. Da hast Du ja was vor Dir, liebe monerl. Ich finde den Schreibstil angenehm. Dadurch, dass Diane Ackerman als Quelle ja persönliche Tagebücher genutzt hat, ist es oft, als wenn Antonina selbst die Geschichte erzählt hätte. Ich hatte zumindest dieses Gefühl. Auf jeden Fall ist das Buch lesenswert.
      Liebe Grüße, Anne

      Gefällt mir

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