Walter-Kempowski-Leseprojekt

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Wir sollten den Alten nicht den Mund zuhalten, wenn sie uns etwas erzählen wollen, und wir dürfen ihre Tagebücher nicht in den Sperrmüll geben, denn sie sind an uns gerichtet – die Erfahrungen ganzer Generationen zu vernichten, diese Verschwendung können wir uns nicht leisten. Seit langem bin ich wie besessen von der Aufgabe, zu retten, was zu retten ist, ich habe nie etwas liegenlassen können, ich habe angesammelt, was zu bekommen war, und ich habe alles gesichtet und geordnet.

Mit diesem Zitat möchte ich ein Leseprojekt zu Walter Kempowskis Werken starten.

Am 5. Oktober dieses Jahres jährt sich sein zehnter Todestag. Das möchte ich zum Anlass nehmen, seine Bücher zu lesen und ein wenig darüber zu berichten.

Kempowski war ein Zettelkasten-Mann. Er hat unzählige Notizen gesammelt. Was er im TV gesehen hat, welche Musik er gehört hat. Selbst Gespräche im TV hat er notiert. Seine Tagebücher sind unwahrscheinlich detailgenau.
Und er hat schon sehr früh den Gedanken an eine Familienchronik gehabt.

Das Echolot ist eine Ansammlung von Tagebüchern, Briefen, Fotos, die Kempowski nach Zeitungsanzeigen zugeschickt bekam. Der Schwerpunkt liegt in den Zeiten Januar und Februar 1943, Winter 1945, quasi als Prolog das Jahr 1941 und im „Abgesang ’45“ geht es um wenige letzte Kriegstage.

Man kann sie nicht am Stück lesen. Ich denke, man muss mit ihnen arbeiten. Ich habe mir überlegt, sie immer dazuzuziehen, wenn ich ein Buch über das Vergessen lese. Mal schaun, wie ich das dann mit einbinden kann.

Die ersten neun Romane („Im Block“ zähle ich jetzt mal nicht mit, das war das allererste Buch) bauen ja aufeinander auf und sind zur „Deutschen Chronik“ geworden.

Deutsche Chronik I. Aus großer Zeit. 1978
Deutsche Chronik II. Schöne Aussicht. 1981
Deutsche Chronik III. Haben Sie Hitler gesehen? 1973[24]
Deutsche Chronik IV. Tadellöser & Wolff. 1971
Deutsche Chronik V. Uns geht’s ja noch gold. 1972
Deutsche Chronik VI. Haben Sie davon gewußt? 1979[24]
Deutsche Chronik VII. Ein Kapitel für sich. 1975
Deutsche Chronik VIII. Schule (Immer so durchgemogelt. Erinnerungen an unsere Schulzeit). 1974
Deutsche Chronik IX. Herzlich willkommen. Knaus Verlag, München 1984; als Taschenbuch bei: btb, München 1997, ISBN 3-442-72190-3.

Ich weiß leider nichts von meiner Familiengeschichte. Zu Hause wurde trotz Fragen nichts erzählt. Nur eines: Meine Mutter ist Jahrgang 43 und in Polen geboren. Auf welche Art und Weise sie nach Rostock gekommen ist, ist mir unbekannt.

Ein Jahr nach „Alles umsonst“ (2007, im Oktober) Walter Kempowski gestorben. Er hatte vorab schon mal einen kleinen Schlaganfall und hat während diesem noch gleich sondiert, wie er seine Pläne noch sichern konnte. Und war immer besorgt, dass er seine Arbeit nicht mehr beenden könnte.

Alle Bücher im Überblick:

Im Block, ein Haftbericht. 1969
Deutsche Chronik I. Aus großer Zeit. 1978
Deutsche Chronik II. Schöne Aussicht. 1981
Deutsche Chronik III. Haben Sie Hitler gesehen? 1973
Deutsche Chronik IV. Tadellöser & Wolff. 1971
Deutsche Chronik V. Uns geht’s ja noch gold. 1972
Deutsche Chronik VI. Haben Sie davon gewußt? 1979
Deutsche Chronik VII. Ein Kapitel für sich. 1975
Deutsche Chronik VIII. Schule (Immer so durchgemogelt. Erinnerungen an unsere Schulzeit). 1974
Deutsche Chronik IX. Herzlich willkommen. Knaus Verlag, München 1984; als Taschenbuch bei: btb, München 1997, ISBN 3-442-72190-3.
Das Echolot. Ein kollektives Tagebuch Januar und Februar 1943. 4 Bde. Knaus, München 1993.
Das Echolot. Fuga furiosa. Ein kollektives Tagebuch Winter 1945. 4 Bde. Knaus, München 1999.
Das Echolot. Barbarossa ’41. Ein kollektives Tagebuch. Knaus, München 2002
Das Echolot. Abgesang ’45. Ein kollektives Tagebuch. Knaus, München 2005
Culpa. Notizen zum Echolot. Knaus, München 2005
Träumereien am elektrischen Kamin. (Hörspiel), 1971
Ausgeschlossen (Hörspiel). 1972
Haben Sie Hitler gesehen? (Hörspiel) 1973
Der Hahn im Nacken. Mini-Geschichten. 1973
Walter Kempowskis Harzreise erläutert. 1974
Beethovens Fünfte. (Hörspiel) 1975
Alle unter einem Hut. 1976
Wer will unter die Soldaten. 1976
Unser Herr Böckelmann. 1979
Mein Lesebuch. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 1980, ISBN 3-596-22182-X
Moin Vaddr läbt. (Hörspiel), 1980
Kempowskis einfache Fibel. 1980
Führungen – ein deutsches Denkmal. (Hörspiel), 1982
Herrn Böckelmanns schönste Tafelgeschichten. 1983
Alles umsonst. (Hörspiel), 1984
Haumiblau. 208 Pfenniggeschichten für Kinder 1986
Der Landkreis Verden – ein Portrait., Landkreis Verden (Hrsg.), 1987
Hundstage. 1988
Ein Knie geht einsam durch die Welt. (als Herausgeber), 1989
Sirius. Eine Art Tagebuch. 1990
In Rostock. 1990
Mark und Bein. Eine Episode. 1992
Mein Rostock. 1994
Der arme König von Opplawur. Ein Märchen. 1994
Weltschmerz. Kinderszenen fast zu ernst. 1995
Der Krieg geht zu Ende. Chronik für Stimmen. (Hörspiel, 9 Std.), 1995
Bloomsday ’97. 1997
Heile Welt. 1998
Der rote Hahn. Dresden 1945. btb, München 2001
Alkor. Tagebuch 1989, 2001
Letzte Grüße. 2003
Das 1. Album. 1981–1986 2004
Hamit. Tagebuch 1990. Knaus, München 2006
Alles umsonst. 2006
Somnia. Tagebuch 1991. Knaus, München 2008
Langmut. Gedichte. Knaus, München 2009
Umgang mit Größen. Meine Lieblingsdichter – und andere, hrsg. von Karl Heinz Bittel; Knaus, München 2011 ISBN 978-3-8135-0414-9
Wenn das man gut geht! Aufzeichnungen 1956–1970. Knaus, München 2012, ISBN 978-3-8135-0367-8
Plankton. Ein kollektives Gedächtnis. (Herausgegeben von Walter Kempowski und Simone Neteler) Knaus, München 2014, ISBN 978-3-8135-0513-9.

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3 Kommentare zu „Walter-Kempowski-Leseprojekt

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