Daniil Granin: Mein Leutnant

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Erhältlich bei Fischerbuch.de

Warum töten Menschen auf Befehl andere Menschen?

Bereits 2011 erschien in Russland ein beachtenswerter Roman von Daniil Alexandrowitsch Granin, geboren am 1. Januar 1919: „Mein Leutnant“. 2012 wurde das Buch mit dem Literaturpreis „Großes Buch“ ausgezeichnet. Dem Aufbau Verlag Berlin ist es zu verdanken, dass dieses Werk nun (endlich) auch auf Deutsch zu lesen ist. In diesem Buch schreibt Granin über seine Kriegserlebnisse. Schonungslos, ehrlich und realistisch. Der 2. Weltkrieg, der uns jahrzehntelang aus sowjetischer Sicht als der „Große Vaterländische Krieg“ verkauft wurde, ist und war nichts anderes als ein total sinnloser Vernichtungskrieg und die „ruhmreiche Sowjetarmee“  keine Ansammlung von Helden und mutigen Befreiern. „Mein Leutnant“ steht in der Tradition der sogenannten Antikriegsromane wie z.B. „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque, der die Unsinnigkeit des 1. Weltkrieges erzählt.

Mit einem literarischen Kniff spaltet Granin das erzählende „Ich“ in zwei Instanzen auf: in „D.“ und „Mein Leutnant“, die auf und in unterschiedlichen Ebenen den Krieg reflektieren. Als Krönung oder Überhöhung dieses Konfliktes stellt Granin dieser zweigeteilten Person noch einen „Ich-Erzähler“ an die Seite, der sich Jahrzehnte später an diesen Krieg erinnert und mit den allgegenwärtigen und üblichen Mythen über den „Großen Vaterländischen Krieg“ aufräumt.

Jeder Krieg ist ein logisches Abbild der Unlogik, ist eine auf Kommando funktionierende unmenschliche Bestie. Das Widersinnige ist aber, dass sich Menschen freiwillig in diesen „Fleischwolf“ stürzen.

Im Vorwort zu diesem ehrlichen Buch schreibt Helmut Schmidt, auch wie Granin Kriegsfreiwilliger, allerdings auf der deutschen Seite, u.a. folgende Zeilen, denen eigentlich nichts hinzuzufügen ist.

„Daniil Granin habe ich im Januar 2014 persönlich kennengelernt. Damals wurde er zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus nach Berlin eingeladen und hat im Deutschen Bundestag über die Schlacht um Leningrad gesprochen. Wir trafen uns zum Gespräch, weil wir zu den wenigen noch Lebenden gehören, die sich damals an der Leningrader Front gegenüberstanden.

In seinem Roman „Mein Leutnant“ schreibt Daniil Granin über seine Kriegserlebnisse. Granin wagt darin eine wahrhaftige Kriegserzählung, ohne all die schrecklichen Grausamkeiten zu verschweigen. Er beschreibt den Krieg aus der Sicht eines unerfahrenen jungen Mannes, der sich 1941 freiwillig zur Armee meldete und – weil es nicht genügend Waffen für die Soldaten gab -unbewaffnet in den Kampf zog. Er erzählt hier seine „Schützengrabenwahrheit“, wie er es selbst nennt.

Daniil Granin ging 1941 freiwillig an die Front, er war bereit, für sein Land zu sterben. Granin und ich, wir sind beide heute 96 Jahre alt und haben die schlimmen Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges hinter uns. Seit Beginn der Blockade Leningrads sind inzwischen über siebzig Jahre vergangen. Persönlich lernten wir uns 2014 kennen, in einer Zeit, in der es fast unvorstellbar erscheint, dass wir uns je als Feinde gegenüberstehen konnten. Aber damals haben Granin und ich an derselben Front auf zwei verschiedenen Seiten gekämpft. Und wir hatten Glück. Wir haben beide den schlimmen Krieg überlebt. Heute treffen wir uns als Freunde, nicht als Feinde. Das ist ein wunderbares Geschenk der Geschichte.“

Frieden ist ein unschätzbares Gut. Das Buch von Daniil Granin erinnert sehr eindringlich daran. Frieden ist jedoch alles andere als selbstverständlich, wie wir heute am Konflikt um die Ukraine sehen können. Sowohl die gegenwärtigen Handlungen Russlands als auch die der Ukrainer, der Europäischen Union und der Nato sind geeignet, den Frieden in Europa erheblich zu gefährden. Heute gilt es, alles dafür zu tun, den Frieden in Europa zu erhalten. Russland ist der größte Partner und der mächtigste Nachbar in Europa. Ohne Russland kann es in Europa keinen Frieden geben.

Hans-Georg Fischer. 06618 Naumburg

Fischers Bücherstube Freyburg (Unstrut),  www.fischerbuch.de

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