Czesława Kwoka

czeslawa_kwoka_-_brasse
Eines der erhalten gebliebenen Fotos von Wilhelm Brasse; 
es zeigt die 14-jährige Czesława Kwoka, die 1943 im KZ Auschwitz ermordet wurde.

Czesława Kwoka wurde am 15. August 1928 im Schulzenamt Wólka Złojecka in der Woiwodschaft Lublin geboren.
Sie lebte allein mit ihrer Mutter Katarzyna Kwoka, da der Vater Paweł Kwoka schon starb, als Czesława ein kleines Mädchen war.
Innerhalb der Aktion Zamość wurde in der Nacht vom 27. auf den 28. November 1942 mit der Umsiedlung der einheimischen Bevölkerung begonnen. Daran beteiligt waren Einheiten der Ordnungspolizei, der SS und örtliche Garnisonen der Luftwaffe und der Wehrmacht.

Czesława und ihre Mutter wurden zusammen mit den anderen Dorfbewohnern in das Umsiedlungslager Zamość abtransportiert. Hier wurden sie zur „weiteren Verwendung“ in die vierte von vier rassischen Wertungsgruppen selektiert.

Sie galten also bei den Nationalsozialisten als „kriminell“ oder „asozial“, weil sie beispielsweise Widerstand bei ihrer Verhaftung geleistet haben. Oder sie galten wegen ihrer Nationalität und/oder Religion prinzipiell als „rassisch schlecht“.
Sie wurden umgehend deportiert und kamen am 13. Dezember 1942 im Konzentrationslager Auschwitz an. Czesława wurde unter der Nummer 26947 erfasst. Über ihr Schicksal im darauffolgenden Vierteljahr weiß man nichts.

Mutter und Tochter haben das KZ Auschwitz nicht überlebt. Katarzyna Kwoka starb mit unbekannter Todesursache am 18. Februar 1943, am 12. März folgte ihre Tochter Czesława. Als Todesursache vermerkte der Eintrag eine Kachexie bei Darmkatarrh. Es ist unklar, ob das die tatsächliche Todesursache war, da ja eine natürlich angegeben werden musste.

Über Wilhelm Brasse erschien 2005 der polnische Dokumentarfilm Portrecista (Der Porträtist) von Irek Dobrowolski. Er erinnerte sich sehr genau an die drei Fotografien:

„Ich erinnere mich sehr gut an das Bild von diesem Mädchen, weil es noch so jung aussah. Das Mädchen. So entwaffnend, als Mädchen, als Gefangene, die ein Kopftuch trug. Sie sah noch gut aus, nicht abgemagert. Immer wieder wurden spezielle Nummern aufgerufen. Aber auf Deutsch. Und dieses Mädchen hat einfach nicht verstanden, was da vor sich ging und was zu ihr gesagt wurde. Und dann hat diese Aufseherin… ich sah dies in mehreren Fällen… mit einem Stock zugeschlagen, sie ins Gesicht geschlagen…“

In weiteren Interviews wiederholte Wilhelm Brasse diese Darstellung immer wieder. Das junge Mädchen habe dann vor den fotografischen Aufnahmen versucht, sich die Tränen und das Blut vom Gesicht abzuwischen und in einer Mischung aus Stolz und Entsetzen in die Kamera geschaut. Er bedauere, dass er nicht habe helfen können.

Wilhelm Brasse: Wo ist der Gott. Wo ist der Gott. Dass er erlaubt solche Schrecklichkeiten.

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2 Kommentare zu „Czesława Kwoka

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