Ines Thorn: Die Walfängerin

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Erschienen im Aufbau-Verlag

Erhältlich bei Fischerbuch.de

In Rantum auf der Insel Sylt herrschte ein karges Leben. Das Dorf lag an der schmalsten Stelle der Insel und nach jedem Sturm fehlte ein Stück. Die Natur gab kaum etwas Brauchbares her, von dem sich die Menschen ernähren konnten. Die meisten Männer waren Heringsfischer. Oder sie fuhren raus aufs Meer zum Walfang. Doch immer öfter kamen sie mit leeren Händen zurück. Und so waren sie immer froh, wenn das Meer was ans Land spülte.
Heute waren es Äpfel über Äpfel. Maren konnte schon den Apfelkuchen riechen. Und Thies Heinen dachte an das Holz des zerborstenen Schiffes, das mit etwas Glück morgen angespült wurde. Dann hätten sie etwas zum Heizen. Doch mit dem Holz würden auch die Leichen kommen.
Maren und Thies sind seit einem Jahr ein Paar und für Maren war sicher, dass sie eines Tages heiraten würden.
Rune Boys war Kapitän und das eigentliche Oberhaupt der Insel. Obwohl die Insel einen Landvogt hatte, hatte Boys Wort großes Gewicht. Er wusste über jedes Haus Bescheid und sorgte für Recht und Ordnung. Aufgrund seines Gerechtigkeitssinnes wurde er respektiert, ja von den Frauen sogar bewundert und verehrt.
Heute Abend findet das Biike-Feuer statt, auf Sylt der höchste Feiertag. Auf diesem Fest bat Kapitän Boys um Marens Hand. Doch sie lehnte ab. Ohne über die Konsequenzen nachzudenken.
Maren war ein spätes Kind. Als sie geboren wurde, waren die Eltern schon über 40. Sie wurde verwöhnt, war eigensinnig und in vielem sehr egoistisch.Immer setzte sie ihren Kopf durch.
Nach dem Fest war es für die Männer wieder Zeit, in See zu stechen.
Boys meinte, Maren sollte über sein Angebot noch einmal nachdenken. Er würde in einem halben Jahr, wenn er vom Walfang zurückkehrte, noch einmal vorsprechen. Doch auch da wies Maren ihn ab. Doch als er weg war, sah sie die Angst in den Augen ihrer Mutter und die Sorge des Vaters. Und nun erst begann sie nachzudenken, was ihre Absage bedeutet. Wie lange konnte der Vater noch zum Fischfang raus? Und die Augen der Mutter wurden von Tag zu Tag schlechter. Sie würde sich um die Eltern kümmern müssen. Wie würde sie das können, wo doch Thies Heinen kaum seine eigene Familie ernähren konnte.
Und dann geschah das Unglück. Ein Sturm wehte über die Insel, wie es zuvor kaum einen gab. Sowohl das Haus von Marens Familie als auch das der Nachbarn und von Thies waren zerstört. Unter Sand begraben. Die Boote am Strand waren hinüber. So langsam machte Maren sich doch Vorwürfe: Hätte sie doch das Angebot von Boys annehmen sollen?
Am nächsten Tag machte sie sich auf den Weg nach Keitum, um beim Kapitän um Hilfe zu bitten. Er gab ihr einen Sack voll Geld. Als Gegenleistung wollte er einen Kuss haben. Maren fühlte sich erniedrigt.
Um den Kredit zurückzahlen zu nkönnen, musste Maren hart arbeiten. Doch so sehr sie sich auch bemühte, bis zum nächsten Herbst würde sie das Geld nicht beisammen haben.
Aber es soll geheiratet werden. Maren hat den Sommer über nicht nur für den Kredit gearbeitet, sondern auch an ihrer Aussteuer.
Einen Tag vor der Hochzeit fährt der Vater noch einmal auf Fischfang und kehrt nicht zurück. Am geplanten Hochzeitstag fand man Klaas Lürsens Leiche am Strand.
Kapitän Boys machte Maren ein drittes Mal einen Antrag. Jede andere Frau hätte zugesagt, doch Maren lehnte wieder ab.
Nun stellte sich auch Boys stur und forderte den Kredit sofort zurück, wohlwissend, dass Maren das nicht konnte. Daher machte er ihr ein Angebot: Sie soll auf seinem Schiff anheuern; als Helfer für den Koch. Wenn sie die Fahrt durchhält, sind die Schulden vergessen. Und Maren schlug ein.
Damit begann das Abenteuer ihres Lebens.

Von der Stimmung her, der Beschreibung des Lebens auf der Insel fand ich das Buch richtig interessant. Doch mit der Maren bin ich einfach nicht warm geworden. Sehenden Auges rennt sie, indem sie an ihrem Thies Heinen festhält, in ihr Unglück. Denn nichts anderes kann es werden. Sie kann keine Familie ernähren und Thies hat sich um die eigene zu kümmern. Daran würde auch eine Hochzeit nichts ändern.
Eigenwillige bzw. selbstbewusste Frauen hat es auch damals gegeben. Denken wir nur an die vielen Künstlerinnen, die trotz widrigster Umstände ihren Weg gegangen sind. Aber die hatten zumeist einen Plan und haben ihre eigene Vorstellung vom Leben umgesetzt.
Und Maren? Sie hatte nichts. Nur ihren Stolz und Eigensinn. Sie redete zwar davon, sich um die Mutter kümmern zu wollen, aber von was? Sie selbst hatte keine Vorstellung davon.

Ob Maren noch ihren Weg findet? Vielleicht an der Seite von Thies. Oder verliebt sie sich auf See doch noch in den Kapitän? – Lest selbst.

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2 Kommentare zu „Ines Thorn: Die Walfängerin

  1. Ach was liebe ich deine Rezensionen Anne – du erzählst es immer so wundervoll und im richtigen Moment beendest du es (zum Leidwesen des Lesers) und machst so Lust auf das Buch. Ganz toll … …
    Liebe Grüße aus Olbersdorf und noch ein Danke für eine tolle Buchbesprechung.
    Ede

    Gefällt 1 Person

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