Jürgen Serke: Selma Meerbaum-Eisinger – Ich bin in Sehnsucht eingehüllt

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Selma Merbaum wurde am 5. Februar 1924 in Czernowitz, Bukowina geboren. Ihre Eltern waren der  Schuhhändler Max Merbaum und seine Frau Friederika, geborene Schrager. Sie war die Groß-Cousine von Paul Celan – die Väter der Mütter waren Brüder. Max Merbaum starb, als Selma neun Monate alt war. Ihre Mutter heiratete drei Jahre später Leo Eisinger.

Selma besuchte bis 1940 das ehemals private jüdische Mädchenlyzeum, das Hofmann-Lyzeum und begann schon früh mit dem Lesen der Autoren, die großen Einfluss auf ihr eigenes Werk ausüben sollten: Heinrich Heine, Klabund, Paul Verlaine, Rainer Maria Rilke und Rabindranath Tagore.

Im Oktober 1941 wurden Selma, ihre Mutter und ihr Stiefvater Leo Eisinger gezwungen, im Ghetto der Stadt zu leben. Am 28. Juni wurde auch Selma mit Familie und Verwandten in das Übergangslager Cariera de Piatra, inTransnistrien, verschafft. Von dort wurde sie in das Arbeitslager Michailowk östlich des Bugs deportiert – von Deutschen besetztes Gebiet der Ukrainischen Sowjetrepublik. Dort wurden die Häftlinge gezwungen, Steine für den Straßenbau für die Durchgangsstraße IV zu hacken.

Selma war erst 18 Jahre jung, als sie als verfolgte Jüdin entkräftet an Fleckfieber starb. Geblieben sind von ihr ein paar biografische Daten und 58 Gedichte, die sie hauptsächlich für ihren Freund Leiser Fichmann aus der zionistischen Jugendgruppe Hashomer Hazair geschrieben hat. Ihr Werk gehört mittlerweile zur Weltliteratur.

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Gedenktafel, Meerbaum Haus, Siegmunds Hof 20,
Berlin-Hansaviertel, Deutschland

Leiser Fichman erhielt das Gedichte-Album von Else, Selmas Freundin. Er nahm es mit ins Arbeitslager, entschloss sich, nach Palästina zu flüchten und gab es Else zurück. Das Schiff, auf dem sich Fichman befand, wurde torpediert und er starb. So fanden die Gedichte ihren Weg mit Else durch Europa nach Israel.
Hier veröffentlichte sie Hersch Segal, Selmas Lehrer von der Jiddischen Schule, 1976. 400 Büchlein ließ er auf eigene Kosten drucken.
Es handelt sich dabei durchgängig um Liebes- und Naturgedichte, die von einer melancholischen Grundstimmung geprägt sind.

Eines möchte ich hier vorstellen:

Müdes Lied
von Selma Meerbaum-Eisinger
geschrieben am 23. 12. 1941
(sie ist zu diesem Zeitpunkt 17 Jahre jung)

Ich möchte schlafen, denn ich bin so müd,
und so müd und wund ist mein Glück.
Ich bin so allein – selbst mein liebstes Lied
ist fort und will nicht mehr zurück.

Schlaf ich einmal, so träume ich auch,
und Träume sind so wunderschön.
Sie zaubern einen lächelnden Hauch
auch übers schwerste Geschehn.

Träume tragen vergessen mit sich
und schillernden bunten Tand.
Wer weiß es – vielleicht auch bannen sie mich
für ewig in ihr Land.

Als der Komponist David Klein auf die Gedichte von Selma stieß, machte er sich auf die Suche nach Sängerinnen und Sängern. Gefunden hat er:

Sarah Connor (erstmals auf Deutsch)
Xavier Naidoo
Yvonne Catterfeld
Reinhard Mey
Hartmut Engler (Pur)
Thomas D (Die Fantastischen Vier)
Joy Denalane
Jasmin Tabatabai
Volkan Baydar (Orange Blue)
Inga Humpe (2raumwohnung)
Stefanie Kloß (Silbermond)
Ute Lemper,

die Selma nach über 60 Jahren eine Stimme gaben.

Und wer vielleicht mit Gedichten nicht so viel anfangen kann, dem gehen diese Lieder und Stimmen bestimmt unter die Haut.

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Ein Kommentar zu „Jürgen Serke: Selma Meerbaum-Eisinger – Ich bin in Sehnsucht eingehüllt

  1. Irgendwo habe ich das schon mal gelesen, also das von den Gedichten und das Künstler ihre Stimmen gegeben haben … nur auf die CD oder Ausschnitte noch nicht (ehrlicher Weise muss ich aber gestehen, ich hab auch nicht intensiv recherchiert) …
    Vielen Dank Anne, dass du es noch einmal in meine Erinnerung zurückholst – ich muss unbedingt mal schauen wo ich mal Hörproben finde.
    Liebe Grüße Ede

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