David Safier: 28 Tage lang

Tage

Erhältlich bei Fischerbuch.de

„Mieses Karma“, Plötzlich Shakespeare“ oder „Jesus liebt mich“ sind Buchtitel von David Safier, welche ich eher dem leichteren Genre der Unterhaltung zuordne. Deswegen habe ich mich mit dem ernsten Thema zum „Warschauer-Ghetto-Aufstand“ zum Anfang auch ziemlich schwer getan. Mit dem Hintergrundwissen, dass dieses Buch Vladka Meed, einer Widerstands-kämpferin im Warschauer Ghetto, und ihren Großeltern, im Ghetto von Łódź umgekommen, gewidmet ist, war mir der Wechsel hin zu diesem doch grundverschiedenen Thema nachvollziehbar. 28 Tage sind eine nachvollziehbare Zeitspanne. 672 Stunden oder 40.320 Minuten dagegen sind es wohl eher nicht. Welche Entscheidungen kann man in dieser Zeit fällen und wie wirken die sich auf ein späteres Leben, wenn es eines gibt, aus und welche Gefühle kann man (noch) leben und ausleben? Die Geschichte kann man in zwei Sätzen zusammen fassen: „Die sechzehnjährige Mira schmuggelt Lebensmittel, um im Warschauer Ghetto zu überleben. Als sie erfährt, dass die gesamte Ghettobevölkerung umgebracht werden soll, schließt sie sich dem Widerstand an.“ Die Geschichte hinter der Geschichte jedoch ist zigmal vielschichtiger, emotionaler und lebendiger. Da begegnet Mira dem polnischen Arzt Janusz Korczak, eigentlich Henryk Goldszmit (geboren am 22. Juli 1878 in Warschau, gestorben nach 1942 vermutlich im Vernichtungslager Treblinka), in seinem Waisenhaus und lernt ihn und seine Auffassungen verstehen. Sie bekommt es aber auch mit eitlen jüdischen Mitgenossen oder mit einer ablehnenden polnischen Bevölkerung zu tun. Mira lernt und begreift schmerzhaft, dass die Wahrheit nicht schwarz oder weiß ist, sondern oft grau, pastellfarben oder schmutziggelb wie ihr Judenstern.

Ich würde mir wünschen, dass es viele Lehrer und Schulen gibt, die dieses Buch als Pflichtlektüre in den Unterricht aufnehmen würden. Das Thema wird ja intensiv behandelt und soll auch ein immer zu behandelndes Thema bleiben, ich denke aber, dass „Das Tagebuch der Anne Frank“, so wichtig und richtig es ist, auch mal durch „28 Tage lang“ abgelöst werden könnte.

Hans-Georg Fischer, 06618 Naumburg

Fischers Bücherstube Freyburg (Unstrut) – www.fischerbuch.de

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4 Kommentare zu „David Safier: 28 Tage lang

  1. Lieben Dank für diese tolle Buchvorstellung, Herr Fischer. Über den Arzt Janusz Korczak bin ich auch schon gestolpert. In dem Buch „Die letzte Reise“ geht es um ihn und seine Kinder. Das Buch werde ich demnächst auch hier vorstellen.

    Herzliche Grüße
    Anne-Marit Strandborg

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