Friedrich Torberg: Mein ist die Rache

Rache

Erhältlich bei Fischerbuch.de

Der Rahmen dieser Geschichte besteht darin, dass ein uns unbekannter Erzähler 1940 auf dem Pier von New Jersey auf Freunde aus Europa wartet.  Jeden Tag begegnet er dort demselben Mann, bis er ihn eines Tages anspricht. Sie kommen ins Gespräch und der Mann erzählt seine Geschichte.

Aber ich warne Sie! Es ist keine Geschichte, die man nur so zum Zeitvertreib erzählen und zum Zeitvertreib mit anhören kann.

Nein, das ist sie wahrlich nicht. Vorab möchte ich all jenen, die die Angewohnheit haben, den Schluss und das Nachwort zuerst zu lesen, den Tipp geben: Tut es nicht. Besonders der letzte Satz dieser Geschichte lässt einen erst einmal ratlos zurück. Und dann beginnt man zu überlegen. Man versucht, sich an die Gespräche im Buch zu erinnern. Ich persönlich bin zu dem Schluss gekommen, das Buch in Kürze noch einmal zu lesen. Insbesondere, da ich kein gläubiger Mensch bin.

Der Mann kam ins Konzentrationslager Heidenburg an der holländischen Grenze, in einer abgeschiedenen Ecke, wo Moor- und Waldlandschaft allmählich ineinander übergehen (nachempfunden einem der Emslandlager). Dort soll es nicht so schlimm gewesen sein wie zum Beispiel in Dachau oder Buchenwald. Vielleicht schickte man deshalb SS-Gruppenführer Hermann Wagenseil als neuen Lagerkommandanten dorthin.

Seit diesem Tag änderte sich das Leben, besonders für die Juden, radikal.

    Er hatte eine lange Liste von möglichen Verstößen samt den dazugehörigen Strafen zusammengestellt […] Hätten wir damals richtig hingehört, so wäre uns aufgefallen, daß dieses ganze, raffiniert ausgeklügelte Strafsystem keine einzige Kollektivstrafe vorsah. […] Wagenseil verzichtete auf solche Art der Bestrafung. Denn die Gemeinsamkeit des Leids ist so gut eine Gemeinsamkeit wie jede, sie kräftigt und sie tröstet – und Wagenseil wollte uns selbst diese schwächste aller Kräftigungen, selbst diese trostloseste aller Tröstungen verwehren. Er demoralisierte noch unser Leiden. Er vereinzelte es. Er sonderte aus. Er zerteilte. Er war ein Gourmet, und kein Fresser.

Mit „wir“ meinte der Mann bisher alle Häftlinge des Lagers. Das änderte sich, als Wagenseil die jüdischen Häftlinge aussonderte und eine eigene „Judenbaracke“ für sie bestimmte. Achtzig Juden waren sie im Lager. Mit aller Kraft haben sie in dieser Baracke Platz schaffen können für sechzig von ihnen. Wagenseils Reaktion: „Es wird in Ihrer Baracke noch genügend Platz sein. Das verspreche ich Ihnen. – Wegtreten.“

Auf welche Art und Weise dies geschieht, lest es selbst. Lest besonders intensiv die Passage, in denen über „Mein ist die Rache“ diskutiert wird. Vielleicht trifft euch dann der letzte Satz der Geschichte nicht so unvorbereitet wie mich.

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8 Kommentare zu „Friedrich Torberg: Mein ist die Rache

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