Rainer Engelmann: Kinder: ausgegrenzt und ausgebeutet: In Zusammenarbeit mit Amnesty International

Mit dieser Buchvorstellung reihe ich mich ein in das Projekt Kinder im Aufwind von der Künstlerin Petra Pawlofsky auf ihrem Blog da sein im Netz.

Besten Dank an Arndt Stroscher von AstroLibrium – Die kleine literarische Sternwarte für das Foto für die Seitenleiste.

Engelmann

Erhältlich bei Fischerbuch.de

Dieses Buch brennt mir auf der Seele. Weil es um Kinder geht. Um ihre Rechte, die ihnen mit der Kinderrechtskonvention zustehen (außer von den USA und Somalia wurde der Vertrag von allen UN-Mitgliedsstaaten unterzeichnet).
Aber wie schaut es wirklich aus? Reiner Engelmann ist dem nachgegangen. Er wurde 1952 in Völkenroth geboren, war im Schuldienst tätig, wo er sich besonders in den Bereichen der Leseförderung, der Gewaltprävention und der Kinder- und Menschenrechtsbildung starkmachte. Er organisiert für Schulklassen und Erwachsene regelmäßig Studienfahrten nach Auschwitz.

Die 54 Artikel der Konvention bauen auf vier Grundprinzipien auf:

1. Überlebensrechte, z. B. das Recht auf ausreichende Ernährung, das Recht auf angemessene Wohn- und Lebensverhältnisse und das Recht auf eine umfassende Gesundheitsvorsorge

2. Entwicklungsrechte, z. B. das Recht auf Bildung und das Recht auf Religionsfreiheit

3. Schutzrechte, z. B. das Recht auf Schutz vor Gewalt, das Recht auf Schutz vor sexuellem Missbrauch und das Recht auf Schutz vor Ausbeutung

4. Beteiligungsrechte, z. B. das Recht auf Beteiligung an für Kinder relevanten Entscheidungsprozessen und das Recht auf freie Meinungsäußerung

Aber wie schaut es tatsächlich aus?

– Immer noch leben Kinder auf der Straße
– Immer noch müssen Kinder arbeiten, um ihr Überleben zu sichern
– Immer noch werden Kinder in Sklaverei und Schuldknechtschaft gezwungen
– Immer noch gehen Kinder nicht zur Schule, z. B. weil sie „nur“ Mädchen oder Angehörige ethnischer Minderheiten sind oder weil ihre Familien sich den Schulbesuch nicht leisten können
– Immer noch werden Kinder zur Prostitution gezwungen und sexuell missbraucht und ausgebeutet
– Immer noch werden Kinder als handelbare Ware betrachtet und verkauft
– Immer noch sind Kinder auf der Flucht vor Krieg, Hunger und Verfolgung
– Immer noch sterben Kinder an Krankheiten, die vermeidbar sind oder leicht zu behandeln wären
– Immer noch leben Kinder unterhalb der Armutsgrenze, auch in reichen Industrielndern, wie z. B. in Deutschland
– Immer noch werden Kinder zwangsweise als Soldaten rekrutiert
– Immer noch werden Kinder inhaftiert, gefoltert, zum Tode verurteilt und hingerichtet

Ich gehe einfach mal davon aus, dass es Herrn Engelmann nicht stört, wenn ich dies mal so aus seinem Buch entnehme. Ich wüsste einfach nicht, wie ich es mit meinen Worten besser hätte schreiben können.

Alle fünf Jahre muss Bericht erstattet werden. Aber seit 1990, seit dem gilt diese Konvention, hat sich anscheinend kaum etwas geändert. Obwohl es doch eine Reihe von Organisationen und anderen Gruppen gibt, die sich für die Rechte der Kinder einsetzt.

Mudhakar und seine Eltern zum Beispiel arbeiten in Indien in einem Steinbruch. Aus diesen Steinen werden Grabsteine gemacht, die u. a. in Deutschland preiswert verkauft werden.
Mudhakars Vater ist krank. Er hat den Husten, den jeder bekommt, der hier arbeitet. Seine Mutter hat vor zwei Wochen ein Baby bekommen. Trotzdem muss sie schon wieder arbeiten. Mudhakars Schwester ist nicht der einzige Säugling hier, deren Mutter im Steinbruch arbeitet. Der Besitzer lässt den Babys Heroin geben, damit sie nicht schreien.
Mit acht Jahren fing Mudhakar an, im Steinbruch zu arbeiten. Das ist nun fünf Jahre her. Damals wurde seine Mutter sterbenskrank. Für den Arzt und die Medikamente verschuldete sich die Familie.
Ungebildet, wie der Vater war, nahm er beim Steinbruchbesitzer einen Kredit auf, aus dem er nie wieder rauskommen würde. 20 Prozent Zinsen verlangte der Halsabschneider wöchentlich. Mudhakar sollte im Bruch arbeiten, doch wie sollte er das je abarbeiten.
So kam es, dass alsbald die ganze Familie hier schuften musste, auch Mudhakars Schwester und Bruder.
Es ist eine tödliche Arbeit. Alte Männer gibt es hier im Steinbruch nicht. Der Staub legt sich auf die Lungen und lässt sie sterben, wenn ihre Kinder noch jung sind.
Zwölf Stunden müssen sie täglich arbeiten. Es passiert schon mal, dass jemand fliehen will. Doch wer es nicht schafft, wird ausgepeitscht. Und wohin sollte Mudhakar schon. Er hatte doch nichts und die Familie konnte er nicht im Stich lassen. Der Vater würde nicht mehr lange durchhalten, dann müsste er sich um alle kümmern.

Dies ist nur ein Beispiel, wie gegen das Recht der Kinder verstoßen wird! Es ist unglaublich und gewissenlos, was wir unseren Kindern antun!
Ungefähr 370 Millionen Kinder zwischen 5 und 14 Jahren arbeiten unter Bedingungen, die nicht gut für sie sind. 72 Millionen Kinder (zumeist Mädchen) erhalten keine Schulbildung. Circa 100 Millionen Kinder leben auf der Straße. Hunderttausende werden von Sextouristen oder im eigenen Heim sexuell missbraucht. 300.000 Kinder kämpfen als Kindersoldaten. Mancherorts werden sie nur auf einen Verdacht hin inhaftiert oder auf der Straße erschossen. Und in manchen Ländern wird sogar die Todesstrafe verhängt und vollstreckt.

Das sind Zahlen, die wir uns viel öfter bewusst machen sollten. Wir sollten öfter mal Informationen darüber einholen, wie einige Firmen ihre Produkte so billig verkaufen können und diese Firmen abstrafen, indem wir nicht bei ihnen kaufen.
Das wäre auch ein lohnenswertes Projekt für die Medien. Statt über Stars und Sternchen sollten sie viel öfter darüber berichten, wie das Recht der Kinder vielerorts mit Füßen getreten wird. Und vor allem, welche Firmen sich dadurch bereichern.

Außer mit zwei Einzelschicksalen ist das Buch gespickt mit Fakten und Argumenten, die es lohnt, sich anzuschauen.

Folgende Beiträge wurden schon veröffentlicht:

Macht doch auch mit !

Herzlichen Dank!

Eigene Beiträge

Ausgegrenzt und Ausgebeutet in Zusammenarbeit mit Amnesty Intenational

Punkte

Petra Pawlofsky

Kinder im Aufwind (Einführung)

Liebevolle Wegbegleiter

Von Zeitdruck, Hektik und Ruhe

Kinderrechte

Die Widerstandskraft stärken 1

Die Widerstandskraft stärken/Strengthening resilience 2*

Generationenreigen/ Round Dance of Generations*

Malen, Singen, Rhythmus: unbedingt!*

Die Kraft in der Ruhe/ Strength in calm 1

Die Kraft in der Ruhe/Strength in calm 2

Geborgen? In security?*

Geborgen?/In security ?2Die Kraft in der Ruhe/Strength in calm 2

Gemeinsam stark

Und wie sag ich’s nun meinem Kind?*

Wie die Angst vergeht / How fear disappears*

Sylvia Kling

Kinder erfahren und Eltern sprechen

Schlüsselerlebnis

Unverbraucht

Random Randomsen

Die Kinderwelt ist Klang

Pity the child

Liebeserklärung

Eternity in progress

Lebensläufe

Tomine &Tyler

Ulrike Sokul

Henriettes Heim für schüchterne und ängstliche Katzen

Titus und der verwunschene Wald

Mitzi Irsaj Kinder im Aufwind – ein Projekt von Petra Pawlofsky und ein kleiner Beitrag von mir

vro jongliert Kinder sind keine Prüfung

 

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37 Kommentare zu „Rainer Engelmann: Kinder: ausgegrenzt und ausgebeutet: In Zusammenarbeit mit Amnesty International

  1. Da stellst du ein sehr interessantes Buch vor!
    Dass die Umstände so schlimm sind, ist ja kaum zu glauben. Ich halte deine Folgerung, sich bei Billigprodukten mehr Gedanken zu machen und mehr Informationen darüber zu erwarten, ebenfalls für dringend notwendig. Wenn diesie Ausbeutung und das Elend der Kinder nicht beendet wird, wird nicht nur ihr eigenes Leben zerstört. Eine Generation nach der anderen kommt möglicherweise nicht mehr aus diesem Teufelskreis heraus !
    Herzlichen Dank , dass du diese Besprechung mit dem Projekt „Kinder im Aufwind“ verknüpfst! Ich wünsche dir viele Leser!

    Gefällt 3 Personen

    1. Vielen Dank. Es ist wirklich schlimm, wohin sich das alles entwickelt. Ich verstehe auch nicht, dass solche Firmen wie KiK und Co. bei uns ihre Billigware verkaufen dürfen. Man weiß doch, warum diese Firmen ihre Ware so billig verkaufen können.
      Da lasse ich auch nicht mehr den Satz gelten: Ja, wenn ich arbeitslos bin und von Hartz IV leben muss, kann ich nur in solche Läden gehen.
      Es gibt genug andere, soziale Anlaufstellen, wo man Kleidung bekommen kann. Und es darf nicht mehr alles weggeschmissen werden. Früher gingen die Klamotten von einem Kind zum anderen.
      Man muss versuchen, bewusster zu leben.

      Gefällt 1 Person

  2. Vielen Dank für diesen informativ-erschreckenden Augenöffner. Die politische Ebene wird wohl nicht viel dazu beitragen, die Situation zu verbessern. Diejenigen, die etwas ändern wollen, sind meist nicht ausreichend durchsetzungskräftig. Und jene, die ausreichend Macht hätten, haben ganz andere Interessen. Über das Konsumverhalten lässt sich dagegen einiges ausrichten. Richtig eingesetzt ist der Geldbeutel wirkungsvoller als jeder Wahlzettel.

    Gefällt 2 Personen

    1. Meine volle Zustimmung. Von der Politik brauchen wir da nichts erwarten. Mittlerweile weiß man ja, in welchen Vorständen diese Leute sitzen und von wem sie ihre sogenannten Gutachten erhalten.
      Und Menschen, die schon lange keine Perspektive mehr haben, sind sicherlich abgestumpft. Ich merke ja, wie schwer mir es schon fällt, mich vernünftig zu informieren. Bei der Nachrichten- und Informationsflut, die auf uns einstürzt, ist es fast unmöglich, rauszufinden, wer einen richtig informiert.
      Wo mir immer der Kamm schwillt, ist: Wir als Verbraucher, hätten es wirklich in der Hand, solche Leute in die Knie zu zwingen. Und wenn ich das weiß, die ich nicht studiert habe und die ich mich nicht für eine große Leuchte halte, warum, lassen wir uns so vorführen?

      Gefällt 2 Personen

      1. Was es meines Erachtens zusätzlich erschwert, die Informationsflut realistisch einzuschätzen, ist der Umstand, dass wir ja tendenziell immer eher das glauben, was wir für wahr halten möchten. Bleibt man da nicht konstant selbstkritisch, sucht man sich aus dem Informationshaufen einfach das heraus, was ins eigene Weltbild passt. Langfristig nicht sehr clever – aber halt sehr bequem.
        Dass viele Konsumenten ihre Macht als Marktteilnehmer nicht nutzen, kann teilweise auch damit zusammenhängen, dass es so leicht ist, angesichts prall gefüllter Supermarktregale die dahinter liegende Realität zu verdrängen. Aber das ist natürlich lediglich eine billige Ausrede und kein echter Grund.

        Gefällt 1 Person

  3. Ein erschreckender Augenöffner. Umso wichtiger darauf hinzuweisen. Man kann es nicht oft genug erwähnen, welche verheerenden Missstände durch gedankenlosen Konsum gefördert werden.
    Ich versuche herauszufinden warum die Links bei mir nicht klappen und werde sonst, einfach die Adresse zu den bisherigen Beiträgen einfügen. Bei diesem würde ich mich besonders freuen, wenn er oft gelesen wird.
    Liebe Grüße
    Mitzi

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