Rüdiger Barth: Wilde Dichter

Dichter

 

Obwohl ich diese Bücher ja liebe, denke ich mir manchmal: Was sollen die vielen Bücher über diverse Schriftsteller.
Aber gerade dieses Themenbezogene ist sehr interessant. So etwas erfährt man in vielen einfachen Kurzbiografien einfach nicht.

Ich kenne „Moby Dick“ bisher nur als Film mit Gregory Peck. Aber selbst, wenn ich das Buch gelesen hätte, würde ich über den Schriftsteller wahrscheinlich nichts wissen. Ich wüsste vielleicht ein paar Eckdaten von ihm, aber nicht, was er für ein Mensch ist.

In diesem Buch erfahren wir, warum Männer wie Herman Melville, Ernest Hemingway, Jack London, Stephen Crane, Joseph Conrad und B. Traven so schreiben konnten, wie sie es getan haben.

Hatten sie eine blühende Fantasie? Oder konnten sie nur solch tolle Geschichten schreiben, weil sie sie erlebt haben? Waren sie „verrückt“ oder besonders intelligent? War ihnen das Talent, zu schreiben, schon in die Wiege gelegt oder haben sie es sich erarbeiten müssen?

Interessante Fragen, auf die wir hier Antworten erhalten.
Und mit Melville geht es schon mal unsagbar spannend los.

Melville hat für seinen „Moby Dick“ voll aus dem Leben schöpfen können. Er ist 25 Jahre alt, als er nach vier Jahren Seefahrt auf der „United States“ am 3. Oktober 1844 im Hafen von Boston einläuft. Seine Seefahrt war aber nicht das, was man heutzutage darunter versteht.
Von seinem ersten Walfangzug desertierte er auf eine Insel. Die Einheimischen dort sollen Kannibalen gewesen sein. Doch er hatte Glück. Der Käptn eines Seelenverkäufers erfuhr, dass auf dieser Insel ein Seemann sein soll und ließ ihn „retten“. Doch er kam vom Regen in die Traufe. Auf diesem Walfänger ging es noch schlimmer zu, als auf dem ersten.
Er sah noch einige andere Inseln und kritisierte in späteren Büchern die christliche Herrschsucht auf diesen Inseln.
Von Honolulu aus kann er endlich auf der „United States“ Richtung Heimat anheuern. An Bord entdeckt er eine Schiffsbibliothek. Während seiner Freiwachen kann er sich dorthin zurückziehen und lesen. Einige seiner Schiffskameraden scheinen sich gut mit Büchern auszukennen und er findet Gesprächspartner inmitten des rauen Bordlebens.

Schon zwei Monate später beginnt Melville zu schreiben. Und schon im Frühjahr 1846 erscheint das erste Buch unter seinem Namen.
Mit dem Verdienst von „Typee“ braucht er nicht mehr den erstbesten Job anzunehmen. Er kann versuchen, sich als Schreiber einen Namen zu machen.
Und nun kann er auch heiraten. Er nimmt Elizabeth Shaw zur Frau, die Tochter eines langjährigen Freundes und Gönners der Familie.
Er schreibt sein zweites, erfolgreiches Buch. Bezieht mit Frau und Familie ein größeres Haus. Hier kann er andere Schriftsteller empfangen.

Sein Weg scheint geebnet…

Es ist nicht gesichert, ob Jack Londons Eltern seine leiblichen Eltern waren. Er selbst forschte ein wenig nach, aber nicht allzu intensiv; es würde einen Skandal geben, würde sich herausstellen, er sei ein Bastard. Seine Karriere wäre hinüber.
Von seiner Mutter erhielt er nie ein Zipfelchen Liebe. Sein Herz hing an John London, Vater oder nicht.
Mit zehn Jahren musste Jack schon zum Lebensunterhalt beitragen und mit 14 die Schule verlassen und wie ein Mann arbeiten.
Aber beinahe alles, was man über seine Jugend weiß, weiß man von ihm. Und ob das alles so stimmt?

Über Jack Londons Leben zu lesen, macht mich ganz atemlos. Satz für Satz verschlinge ich. Den einen noch nicht zu Ende, erwarte ich voll Ungeduld den nächsten. Wahnsinn…

Jack London ist nur 40 Jahre alt geworden. Drei Jahre vor seinem Tod sagte ein Doktor zu ihm: „Mit Ihnen könnte ich eine ganze Vorlesung bestreiten.“ Die Nieren waren kurz vor dem Versagen und anderes innere Organe waren schwer geschädigt.

„Und doch sei er kein Alkoholiker, behauptete er, sondern ein Gewohnheitstrinker.“

Es gab Zeiten, da trank er Bourbon am Mittag, Scotch und Soda am späten Nachmittag. Er bestritt, dass Alkohol abhängig macht.
Er trinkt nicht nur zu viel Alkohol, er nimmt auch zu viele Schmerzkiller. Im Oktober, zur Saison, gibt es Bratente, zwei Vögel am Tag, noch blutig und dazu eiskalten Liebfraumilch, einen süffigen Wormser Weißwein.

Über den Hang zum Hochprozentigen schrieb London im autobiografischen „John Barleycorn“. Der Titel spricht ja wohl für sich.
Und die Biografen grübeln bis heute: Konnte der 37-jährige London so nüchtern über seinen Alkoholkonsum schreiben, weil er ihn überwunden hatte oder verbirgt sich dahinter der geübte Selbstbetrug des Alkoholikers?

Milo Shepard, Großneffe von Jack London, meint zu seinem Alkoholverbrauch: „Ein Alkoholiker? Da lache ich. Ein Alkoholiker kann nicht dieses Arbeitspensum leisten.“

Er war ein diszipliniertes Arbeitstier. Mit seinen 40 Jahren hat er 26 Romane geschrieben, ein paar Kurzgeschichten und Tatsachenberichte, wollte immer da hin, wo es gefährlich war und war nur aufs Geldverdienen aus, um seinen Lebensstil aufrechtzuerhalten.

Das waren nur zwei Beispiele aus diesem wunderbaen Buch.Ihr könnt noch mehr erfahren über Stephen Crane, Joseph Conrad, Ernest Hemingway und B. Traven.

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