Winfried Meyer: Mir hat Gott keinen Panzer ums Herz gegeben

2016-08-05 10.05.00

Biografien oder Briefe/Tagebücher von Männern habe ich nicht sooo viele. Zumeist sind es die Frauen, die mich interessieren. Und beim Thema Gegen das Vergessen brauche ich gar nicht direkt nach ihnen suchen. Die meisten Bücher, die ich dazu gefunden habe, handeln von Frauenschicksalen.

Und nun haben die Briefe aus dem Militärgefängnis und Gestapo-Haft von Hans von Dohnanyi den Weg zu mir gefunden. Ulla Hahn hat das Vorwort geschrieben. Sie ist mit Klaus von Dohnanyi, zweiter Sohn von Hans, verheiratet, der das Nachwort verfasste.

Hans von Dohnanyi hat immer alle seine Gedanken mit seiner Frau Christine Bonhoeffer geteilt. Selbst die geheimsten. Doch nun, während der Haft, durften sie, und das legt Ulla Hahn in ihrem Vorwort auch uns Lesern nahe, den Dritten, der mitlas, den Zensor, nie vergessen.

Dohnanyi arbeitete schon Ende der 30er Jahre für den Widerstand. Er wurde eine der führenden Persönlichkeiten des Widerstandes gegen das NS-Regime. Er verhalf Juden zur Flucht und war an einem missglückten Attentat gegen Hitler beteiligt.

Nun in Haft, war er zur Untätigkeit verurteilt. Er, der von Kind auf gewohnt war, Verantwortung zu übernehmen, später politisch zu denken und zu handeln, Verfolgten zu helfen, Widerstand zu organisieren. Was für eine Qual musste es für ihn gewesen sein, in seinen Briefen nicht darüber schreiben zu können.

Die Briefe sind aufgegliedert in die Haftstaitionen, die Dohnanyi durchlaufen musste:

Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis Berlin (April – Mai 1943)
Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis Berlin (Juni – Juli 1943)
Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis Berlin (August – November 1943)
Chirurgische Abteilung der Charité (November 1943 bis Januar 1944)
Krankenanstalt Berlin-Buch und Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis Berlin (Januar bis Mai 1944)
Infektionsabteilung des Reserve Lazaretts Potsdam (Mai bis August 1944)
Krankenrevier des KZ Sachsenhausen (August 1944 bis Januar 1945)
Gestapo-Hausgefängnis Prinz-Albrecht-Str. 8 (Februar bis März 1945)
Staatskrankenhaus der Polizei in Berlin und KZ Sachsenhausen (März bis 9. April 1945)

Das KZ Sachsenhausen war seine letzte Station. Hier wurde der krank auf einer Trage liegende Dohnanyi in einem Schnellverfahren zum Tode verurteilt; am 9. April wurde er erhängt.

Die Briefe von Hans von Dohnanyi sind Zeugnisse seiner Liebe zu den Kindern und zu seiner Frau. Sie treffen ins Herz.

Und damit lege ich euch dieses Buch ans Herz.

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10 Kommentare zu „Winfried Meyer: Mir hat Gott keinen Panzer ums Herz gegeben

  1. Tja, Anne, mir war das klar, dass dir das Buch gefallen wird. Freut mich, den richtigen Riecher gehabt zu haben. Leider kann ich aber deine Rezi gar nicht lesen, da ich das Buch selbst noch lesen und besprechen muss. Aber sie läuft mir ja nicht weg.

    Weiterhin viel Freude auch mit den anderen Büchern …

    Gefällt 1 Person

  2. Anne, ich setze den Linken zu diesem Beitrag noch bei mir im Portfolio.

    Immer, wenn ich diese Berichte lese, kommen mir die Tränen.
    Und ich weine sonst fast nie….

    Danke für die Buchempfehlung! 💜💛💚

    Ich freue mich auch sehr, dass meine Lieblingsonlinezeitung Dich entdeckte. 😀

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Sylvia,

      das freut mich auch. Ich werde mich dem Thema jetzt wieder ein bisschen intensiver widmen.
      Diese Buchvorstellungen darfst Du für Dein Projekt gerne alle nutzen.

      Liebe Grüße
      Anne

      Gefällt 1 Person

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